Es sind diese Tage in meinem Leben, die sich ständig wiederholen, später zu Wochen und dann zu Monaten werden, ohne dass ich mich in dieser Zeit von der Stelle bewegt habe und noch immer am Anfang meiner geplanten Reise stehe. Doch welche Reise? Ich weiß es nicht mehr, denn die Tickets sind anscheinend nicht mehr gültig und ich finde sie nicht mehr.

Gestern habe ich mir noch Gedanken gemacht, wo meine mögliche Reise hingeht und heute komme ich zu dem Entschluss, dass ich absolut keine Ahnung mehr habe, wer ich bin, was ich will und kann.

Ich fühle für mich aktuell ein Leben ohne Träume und Hoffnung. Mir machen viele Dinge, die ich sonst gerne gemacht habe, keinen Spaß mehr und sich auf neue Dinge einlassen kann ich mich nicht, weil der Kopf dann dichtmacht. Unabhängig der Pandemie ist, obwohl nichts so wirklich passiert, dann indirekt doch was passiert. Seien es neue ggf. andere Gedanken und Sichtweisen auf Dinge oder aber einfach die Tatsache, dass es so nicht mehr weitergehen kann, wie es aktuell in meinem Leben läuft.

Der Weg war ein guter, dann kam die maximale Skalierung

Der Weg war ein gutermaximale Skalierung

Und ja, das gruselige Bild ist absichtlich gewählt.


Es war im Februar 2020 während unserer jährlichen Hochzeitsreise in Hamburg bei einem Besuch des Fan-Shops des FC St. Pauli, ich konnte dort T-Shirts und Pullover in für mich normalen Größen anprobieren und das Gewicht war zu diesem Zeitpunkt bei 155,4 kg und ging bis Ende März noch auf 151,5 kg runter. Ein großer Schwung von Hoffnung war trotz der vorhandenen großen Dunkelheit spürbar. Doch was dann passierte habe ich so nicht erwartet und Corona war eine Erfahrung auf die ich gerne verzichtet hätte in meinem Leben.

Im Juni 2021 wurden wir wieder zu einer ungewohnten Normalität gezwungen und es war auf meiner Heimreise wieder möglich, sich am Leipziger Bahnhof in den dortigen Starbucks zu setzen und Kaffee zu trinken. Vor Ort war genug Abstand zueinander vorhanden und der große Raum wurde durchgängig gelüftet, sodass es sich gut anfühlte, sich für eine halbe Stunde mal diese Zeit dort zu nehmen. Das dort entstandene Foto hat mir eine Wahrheit gezeigt, die ich durch Corona und meinen Kreislauf und Alltagstrott so nie gesehen habe und ein Schlag ins Gesicht war. Die Fettschürze bzw. der “Rettungsring” ist wieder gewachsen und liegt auf Sesseln mit Lehne auf. Dinge, die ich irgendwie nicht mehr mitbekommen habe und wehtut zu sehen.

Scheiße, was ist in den bisher 16 Monaten der Pandemie mit mir passiert?

Ich habe es tatsächlich fertig gebracht, den “Erfolg” der zweiten Operation komplett gegen die Wand zu fahren und 30,5 kg zugenommen. Mein Gewicht vor dem Umbau zum Omega Loop-Magenbypass im November 2017 lag bei 191,4 kg. Mit den 182 kg im März 2021 lag ich wieder sehr nah an dieser Marke und ich merke von der körperlichen Entwicklung inzwischen, dass die Einschläge getroffen haben. :-(

Natürlich ist die aktuelle Situation rund um Corona ein Ausnahmezustand für jeden von uns, mich hat dieser Zustand schleichend und hart überfahren, weil meine Depression und Essstörung sich frei entfalten konnten und ich mir einfach zu egal zu sein schein.

Christian (37)

»Wer ich bin und was mit mir passieren wird, entscheide ich alleine.«

Doch was ist jetzt?! Ich weiß, dass ich Probleme habe, die gelöst gehören und ich aus dem aktuellen Kreislauf und den Süchten raus muss. Es kann und darf so nicht weitergehen, denn sonst erlebe ich das Alter nicht mehr. Wenn man sich die Welt aber so anschaut, vielleicht nicht das Schlechteste, was passiert.

Im letzten Jahr habe ich noch die alte und zu groß gewordene Kleidung weggeworfen und heute muss ich mir neue Jeans und T-Shirts bestellen, da der vorhandene Kleiderschrank es nicht mehr hergibt und manches schon so alt ist, dass es quasi auseinanderfällt oder schon zu oft geflickt wurde. :-(

Mir fehlt Kraft, Elan, Hoffnung und Mut und ich habe aktuell keinen Plan B in der Schublade und zu viele Ängste, die mich hemmen, das zu tun, was ich will. Aber da ich ja sowieso nicht weiß, was ich will, gibt es auch keine Lösung?! Ich drehe mich weiter im Kreis und ja … ich will nicht mehr zurück in das Leben vor Corona.

Bei mir ist eine ganz große kognitive Dissonanz vorhanden: Anspruch und Wirklichkeit klaffen in meinem Verhalten oft auseinander. Es wird auch niemand kommen und meine Probleme für mich lösen und Hilfe von außen gibt es, aber das funktioniert für mich so nicht, da ich keine Erwartungen erfüllen kann und auch nicht mehr will. Zu viel wurde geredet und zu wenig gehandelt, auch wenn ich in den letzten sieben Jahren viel verändert und erreicht habe. Dazu vielleicht später mehr in einem eigenen Beitrag, wenn ich mich dafür aufraffen kann.

Verkackt euer Leben nicht! Ihr habt nur eins.